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Interview mit Lieselore Warmeling - Story-Ecke
Lieselore Warmeling schreibt seit sechs Jahren Kurzgeschichten. Begonnen hat sie damit erst nach einem vierzigjährigen Berufsleben und damit etwas verwirklicht, dass sie schon immer tun wollte, aber dann doch wegen der Erfordernisse des täglichen Lebens nie wirklich angegangen ist.
Inzwischen gibt es Veröffentlichungen in diversen Anthologien und auf einigen Internetseiten.
Die eigene Homepage www.story-ecke.de enthält inzwischen fast neunzig Kurzgeschichten, Essays und Dialoge unterschiedlicher Genres.
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sagmal.de:
Lies, wenn man dich so in den verschiedenen Literaturforen liest und deine Schreibweise zum ersten mal zur Kenntnis nimmt, glaubt man, eine einunddreißigjährige Literaturwissenschaftlerin sitzt am anderen Ende. Du bist aber keine einunddreißig mehr und auch keine
Literaturwissenschaftlerin, stimmts?
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Lieselore Warmeling:
Seufz. Ich überlege gerade, ob ich beides gerne wäre, komme aber zu der Überlegung, dass NEIN.
Die sogenannten * Besten Jahre* liefen bei mir von 40 bis 50 ab, davor suchte ich noch, und danach hatte ich wohl mehr gefunden als mir lieb war, ob nun in mir, oder um mich herum. Präzise, ich bin siebzig Jahre alt und realisiere das nur, wenn ich danach gefragt werde. Ansonsten geht es mir wie jedem von uns, alt sind in unserer Vorstellung doch immer nur die anderen, man selbst war doch gerade gestern noch Zwölf.
Was die Literaturwissenschaft betrifft, wir sind einander eher fremd. Ich liebe die Sprache, kann aber nichts mit deren Regelwerk anfangen.
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sagmal.de:
Auf deiner Seite www.story-ecke.de steht als erstes der Spruch von Voltaire: "Jede Art zu schreiben ist erlaubt, nur nicht die langweilige." Das bedeutet für dich?
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Lieselore Warmeling:
Genau das, was der Spruch aussagt, wer seine Leser langweilt, gehört standrechtlich erschossen.
Es sei denn, er schreibt ein Sachbuch. Ich bin möchte aber wissen, ob meine erzählerische Kraft ausreicht, Leser über den Zeitraum einer Kurzgeschichte zu fesseln, sie nach mehr
fragen zu lassen und....sie zu unterhalten, denn das ist nach wie vor für mich das Wichtigste.
Ich will mit klaren, deutlichen und vor allem spannenden
Sätzen Geschichten erzählen. Stories für Leser, die gleich mir nichts mit Wortakrobatik anfangen können.
Würde mich jemals ein Leser fragen, was ich denn mit einer Story habe aussagen wollen, weiß ich, dieser Text hat den Leser nicht erreicht und kann als misslungen angesehen werden.
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sagmal.de:
Würdest du dich als Literatin bezeichnen? Oder als Autorin? Oder ...?
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Lieselore Warmeling:
Als Geschichtenerzählerin. Ich würde gerne die Professionalität von Scheherazade erreichen, aber daran arbeite ich noch.
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sagmal.de:
Wann hast du mit dem Schreiben von Kurzgeschichten begonnen?
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Lieselore Warmeling:
Ab etwa Anfang Sechzig. Nach einem 40-jährigen Berufsleben als Personaldisponentin in einem Konzern der metallverarbeitenden Industrie, galt es, sich neu zu
orientieren. Ich entdeckte zuerst den Computer und er mich und dann wir beide das Internet.
Abenteuerlich dieses Abtasten von bisher unbekannten Möglichkeiten.
Technisch ebenso, wie im Hinblick auf die Buntheit des Angebotes. Ich landete zufällig in einem Weihnachtsgeschichten-Wettbewerb bei AOL
und es war um mich geschehen.
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sagmal.de:
Du bist mir aus vielen Literaturforen bekannt. Was macht für dich den Reiz von Literaturforen aus?
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Lieselore Warmeling:
Sprachliches Florettfechten nenne ich das.
Training von Witz, Schlagfertigkeit und präziser Schreibe.
Und natürlich die gemeinsame Arbeit an Texten, die verbesserungswürdig sind, was die eigene Betriebsblindheit aber durchaus nicht immer wahrhaben will.
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sagmal.de:
Was muss ein gutes Literaturforum deiner Meinung nach haben?
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Lieselore Warmeling:
Mitglieder, die bereit sind, sich auf die Texte anderer einzulassen, sie begleitend zu kommentieren und Moderatoren, die nicht vergessen, dass ein Forum von eben diesen Mitgliedern lebt, die also nur in Ausnahmefällen regelnd eingreifen. Nicht zu vergessen Betreiber und Admins, die technisch anbieten, was auf diesem Gebiet möglich ist und ansprechbar sind, wenn es denn wirklich mal hakt im Getriebe
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sagmal.de:
Was ist das Internet für dich speziell, wie wichtig ist es dir?
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Lieselore Warmeling:
Sehr wichtig.
Google ist mein spezieller Freund. Recherchen müssen gelegentlich auch bei Geschichtenerzählern sein und mit steigender Erfahrung macht es einfach Spaß, die Möglichkeiten des Internet gezielt zu nutzen und
fündig zu werden. Ganz zu schweigen von der Aktualität mit der man bedient wird.
Der morgendliche Blick auf die Website von N 24 ist ebenso wichtig, wie die erste Tasse Kaffee.
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sagmal.de:
Gibt es Hemmschwellen, speziell bei Senioren, die man abbauen
könnte?
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Lieselore Warmeling:
Leider viele, vor allem die Technik. Es gab ja mal Bestrebungen einen idiotensicheren PC, nur mit den Grundeigenschaften, ohne Multimedia-Programme und anderen Schnickschnack auf den Markt zu bringen.
Ein Gerät, mit dem ein Senior sich anfreunden kann, ohne lange Schulungen in Kauf nehmen zu müssen.
Das muss wohl im Sande verlaufen sein, oder es wurde kein Geschäft. Meine Altersklasse ist also nach wie vor eher zögerlich, wenn es darum geht, die Nase ins Internet zu stecken. Sie benehmen sich immer noch, als würde ihnen selbige möglicherweise abgefahren.
Erstaunlich ist, dass die Chance, die darin liegt, auch bei nachlassender Beweglichkeit im Alter nie zu vereinsamen und immer geistige Anregung zu finden, nicht wirklich erkannt und genutzt wird. Das sollte also besser vermittelt werden.
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sagmal.de:
In welcher Art und wie oft nutzt du das Web?
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Lieselore Warmeling:
Wie erwähnt, zu Recherchen, politischer und gesellschaftlicher Information, zum Austausch in Literaturforen und nicht zu vergessen, täglich in einer Senioren - Mailingrunde, die seit fast acht Jahren besteht. Da haben sich Leute zusammengefunden die auf die gleiche Weise ticken. Man erwartet keine hochgelehrten Gespräche, aber vernünftige und interessierte Diskussionen über Gott und die Welt, bei denen nur eines wirklich vorausgesetzt wird: Die Ansichten des jeweiligen Gesprächspartners zu akzeptieren, ohne ihn zu den eigenen bekehren zu wollen.
Die Freiheit des Denkens ist uns wichtig.
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sagmal.de:
Würdest du dich selbst als Internetsüchtig bezeichnen?
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Lieselore Warmeling:
Ich mich? Natürlich nicht. Wer gibt schon zu, dass er etwas nicht von heute auf morgen bleiben lassen könnte, so er es denn wirklich als Schwäche erkannt hätte.
Aber da das Internet - da stimmst du mir sicher zu - das Portal zur Welt ist, kann man es doch nicht als Sucht bezeichnen, die Buntheit und Vielfalt hinter diesem Portal täglich nutzen zu wollen.
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sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?
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Lieselore Warmeling:
Keine, die ich noch hätte beantworten wollen.
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sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?
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Lieselore Warmeling:
Nein, es ist alles gesagt.
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Kommentare zu den Interviews, oder darüber diskutieren könnt Ihr in unserem Forum
Erstveröffentlichung auf www.sagmal.de
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