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Books on Demand.
von Andreas Eschbach

Der Autor Andreas Eschbach bekam von einem User folgende Frage gestellt:
Über Books on Demand kann man einfach so ein Buch machen lassen, ohne Lektor oder den mühsameren Weg. Aber es kann zur Folge haben, daß auf die Frage, wo haben Sie denn schon veröffentlicht mit: "Was, Books on Demand? Na ja, vergessen wirs mal lieber!" reagiert wird, oder?

Andreas Eschbach antworte:

Das ist nicht das Problem. Meiner Beobachtung nach qualifizieren Verlage Autoren durchaus nicht leichtfertig nach derlei oberflächlichen Kriterien ab, sondern bilden sich ihr Urteil konkret auf Grundlage der Frage "Kann diese Frau/dieser Mann (einigermaßen) schreiben?" Man muß sich also nicht seiner als BoDs erschienenen Bücher schämen; immerhin sind sie etwas, das man vorweisen kann, und man hat zumindest Eigeninitiative bewiesen.

Das Problem des Selbstverlags - und "Books On Demand" ist aus der Sicht des unveröffentlichten Autors zunächst einmal eine leicht erschwingliche Variante des Selbstverlags (um ein Buch auf konventionellem Wege - Druckerei usw. - selbst zu veröffentlichen, muß man ca. 5.000 € hinlegen, bei BoD ist man mit ein paar hundert € dabei) - ist ein anderes: es ist schwierig, ja fast unmöglich, ein Buch, das einmal in irgendeiner Form im Selbstverlag erschienen ist, noch einmal bei einem "richtigen" Verlag unterzubringen. Denn: es ist ja schon einmal erschienen!

Vor kurzem habe ich einen derartigen Fall miterlebt. Ein sehr begabter SF-Autor, Michael Marrak, hat seinen ersten großen Roman ("Lord Gamma") wie alle seine Bücher bis dahin im Selbstverlag herausgebracht, in einer Auflage von 300 Stück. Der Roman ist ganz hervorragend, bestimmt einer der besten SF-Romane des Jahres (er hat auch den Kurd-Laßwitz-Preis dafür gewonnen), trotzdem war es fast unmöglich, eine große Neuauflage dieses Romans bei einem großen Verlag zu erreichen. Reihenweise lehnten die Verlage ab mit der Begründung, "ja, ist gut, aber ist ja schon einmal erschienen". Es bedurfte vielen Zuredens, unter anderem von mir, daß schließlich Bastei-Lübbe den Roman kaufte und ihn nächstes Jahr herausbringen wird.

Positiv: den Autor für sein kommendes Buch unter Vertrag zu nehmen hat Bastei-Lübbe nicht gezögert. Insofern war dieses Buch ein Türöffner.

Negativ: eine kleine Auflage im Selbstverlag ist immerhin irgendwann vergriffen. Ein BoD dagegen ist ja nie vergriffen - damit hätte "Lord Gamma" vermutlich noch weniger Chancen gehabt.

Unabhängig davon ist "Book On Demand" sicher eine Publikationsform, die noch eine große Zukunft vor sich hat und möglicherweise DIE Verlagstechnologie der Zukunft sein wird. Das heißt, daß es eines Tages vielleicht überhaupt keine Bücherlager mehr geben wird, sondern Bücher immer dann produziert werden, wenn sie bestellt werden. Die Wälder würden es uns danken (zur Zeit werden im Schnitt 50% jeder Buchauflage wieder vernichtet!). In naher Zukunft wird es vor allem interessant für Backlist-Titel von Verlagen, d.h. Bücher, die nur noch selten verlangt werden, aber lieferbar bleiben sollen. Viele Verlage arbeiten schon so.

Mit freundlicher Genehmigung von Andreas Eschbach.
Veröffentlicht auf www.andreaseschbach.de

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