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Eigene Bücher im Selbstverlag veröffentlichen.
von Stefan Steinmetz
Bestimmt haben einige von euch so viele Kurzgeschichten geschrieben, dass sie locker ein Taschenbuch mit hundertfünfzig Seiten füllen würden. Oder sind es sogar mehr? Vielleicht ein Roman oder gar zwei?
Warum auf ewig den Großen unter den Verlagen hinterherlaufen und Absagen sammeln?
Es ist kinderleicht, einen eigenen Kleinverlag zu gründen und die eigenen Werke über eine kleine Homepage zu verkaufen.
Ich habe es selbst gemacht und muss sagen: Es ist einfach und es kostet nicht viel.
Viele von euch denken jetzt: Ach Gott! Einen Verlag gründen! Wie soll das denn gehen? Kann ich das als kleine Einzelperson überhaupt und wie viel kostet das?
Es hat mich genau 40 Euro gekostet. Ich bin aufs Bürgermeisteramt gelaufen und habe beim Gewerbeamt angeklopft und meinen Verlag "Bliestal-Verlag Steinmetz Stefan“ angemeldet.
Das war es schon! Doch!
Ging ganz leicht.
Okay, ich habe keinen Gewerbeschein bekommen, weil ich von Anfang an sagte, es sei bloß ein Hobby. Dies machte ich auch dem Finanzamt klar. Man zählt dann als "Kleinunternehmer“ und ist nach §19 Abs. 1UStG fünf Jahre lang steuerbefreit.
Bei Minimalumsätzen lohnt sich der Steuerkram nicht, weil man eh nichts absetzen kann. Das Finanzamt wird einem da schon schnell klarmachen, dass man nur ein hübsches Hobby betreibt.
Na und!
Mehr braucht es nicht zu sein!
Ich rechne zur Zeit mit 20 bis 30 verkauften Exemplaren pro Buchtitel in meinem Miniverlag pro Jahr. Nicht viel, aber es macht Spaß, das könnt ihr mir glauben! Und wenn ich erst mal 10 oder gar 20 Titel online habe, habe ich richtig was zu tun. Dann gehen pro Woche mehrere Bücher raus.
Gibt es etwas Schöneres für eine Autorin oder einen Autor als die eigenen Werke in Form eines Buchs in Händen zu halten? Das ist nicht mal so teuer. Der moderne Digitaldruck macht Miniaturauflagen von 30 bis 50 Exemplaren möglich. Man muss nicht mehr riesige Geldmengen in eine Auflage von 1000 Exemplaren investieren, von denen man nicht weiß, ob sie sich je verkaufen. Wenn 30 Bücher zwei Jahre brauchen, bis sie verscherbelt sind, dann tut das finanziell kaum weh.
Hier einmal eine kleine Rechnung:
32 Exemplare "Die Geisterkinder von Mönchwies“ kosteten komplett 285,90 Euro
Es war ein wenig teurer, weil ich Werkdruckpapier bestellt hatte (sonst 27,80 billiger!) und weil ich den Deckel im Vierfarbendruck fertigen lies (2 Euro pro Buch, bei Schwarzweiß nur 0,50 Euro pro Buch und man kann ja auf bunten Deckelkarton in allen möglichen Farben, Schattierungen und zB. Leinenoptik drucken lassen).
Zudem war noch die Montage des Buchdeckels im Preis mit drin, denn ich lieferte nur eine Buchvorderseite, eine Rückseite und einen Buchrücken (ich fand die Funktion "zusammen nähen“ in meinem Programm nicht).
Bei weiteren Auflagen entfällt das Geld fürs Montieren natürlich.
Ein einzelnes Buch kostet nun circa 8,90 Euro. Wie gesagt: Digitaldruck in kleiner Auflage ist teuer. Wenn man 100 oder mehr Bücher machen lässt, wird es natürlich billiger.
Der Verkaufspreis wurde von mir auf 13,50 Euro festgesetzt. Das erscheint unverschämt hoch, aber wenn ein Buch über den deutschen Buchhandel bestellt wird, verlangen die einen Preisnachlass von 30 %! Das heißt, es bleiben noch 9,45 Euro übrig! Und der Buchhandel bezahlt NUR die Briefmarke auf der Versandtasche! So eine DIN A 5 Versandtasche kostet auch noch mal knapp 0,40 Euro. Macht also 9,05 Euro, die ich beim Verkauf über den Buchhandel einnehme oder einen Reingewinn von 15 Cent!
Bei "Adoptivkind Stefanie“ ließ ich den farbigen Deckeldruck weg und sparte mir damit 1,50 Euro pro Buch und ich ließ auf normales Papier drucken statt Werkdruck (den Unterschied bemerkt man kaum).
Machte 232,83 Euro für 30 Exemplare oder 7,75 Euro pro Stück. Jetzt kommt schon ein bisschen mehr Geld rein, wenn ein Buch bestellt wird. "Die Geisterkinder von Mönchwies“ war ein Experiment. Weitere Auflagen lasse ich auf Normalpapier machen und spare so ca 1 Euro pro Buch, womit ich in eine ordentliche Gewinnzone komme.
Besonders schön: wenn jemand direkt über meine Homepage bestellt, erhöht sich mein Gewinn noch mal um die 30% Buchhandelsrabatt.
Allzu laut jubele ich jedoch nicht, da ich pro Buchtitel zwei Stück KOSTENLOS an die Nationalbibliothek schicken muss. Hui! Und schon sind bei den Geisterkindern rund 18 Euro futsch, die erst mal wieder verdient werden müssen.
Wie ihr seht, geht es anfangs nicht ums Geldverdienen sondern um den Spaß am eigenen Miniverlag. Wenn sich ein Buch jedoch gut verkauft, kann ich größere Mengen nachdrucken lassen. Dann sind die Anfangskosten wie Freiexemplare für die Nationalbibliothek und das Montieren des Buchdeckels nicht mehr in der Rechnung mit drin und ich erziele entsprechend höhere Gewinne pro verkauftem Buch.
Letzten Endes wird es aber immer ein Hobby bleiben, das finanziell gerade mal so Null auf Null aufgeht. Wenn ich erst mal 20 Titel online habe, könnte allmählich ein kleiner Gewinn zusammentröpfeln. Doch es geht nichts ums Geld sondern um die Freude, was Eigenes aufzuziehen!
Und das kann JEDER!
Ein Wort zu den Print-on-demand-Dienstleistern wie BOD, Libri oder Ubooks:
Wer dort seine Bücher machen lässt, braucht sich um nichts zu kümmern. Man schickt eine Word 2000 Datei oder ähnliches und vielleicht Vorschläge für einen Buchdeckel. Den Rest machen die dann für euch und sie kassieren dafür mächtig ab!!!
Bei www.ubooks.de z.B. muss man 250 Euro hinblättern und hält noch KEIN EINZIGES BUCH in Händen!!! Wenn ihr selber zur Druckerei geht, bekommt ihr für das Geld bereits 20 bis 30 Bücher!
Zu den Druckereien:
Holt euch GRUNDSÄTZLICH Angebote von MEHREREN Druckereien ein! Ich habe per Internet alle Druckereien in der näheren Umgebung ausfindig gemacht und folgende Anfrage geschickt:
Was kostet ein DIN A 5 Taschenbuch, 200 Seiten lang mit farbigem Deckeldruck bei einer Auflage von 30 bis 50 Stück. Unter anderem meldete sich eine Druckerei, die für 30 Bücher 468 Euro haben wollte! Stattliche 15,60 Euro pro Buch oder fast 32 DM!!! Das war einfach unverschämt.
Meine jetzige Druckerei kenne ich noch von früher, als ich meine Bücher auf Schreibmaschinenseiten lieferte und die mir alles auf DIN A 5 runterkopierten und als Taschenbuch banden.
Die Preise von PRISMA sind okay.
Hier eine (unvollständige) Preisliste, Stand Sommer 2003:
Taschenbuch im Format (ungefähr) DIN A 5,
Auflage 30 bis 50 Exemplare:
Datenübernahme: 40 Euro pro Arbeitsstunde, je nach Aufwand
Binden pro Buch: 2 Euro
Deckel aus 250g-Papier, Vierfarbdruck: 2 Euro
Deckel aus farbigem Papier, normaler Schwarzdruck: 0,50 € (fertig montiert, wenn nicht siehe 1)
Eine farbige Seite im Buch:0,50 € / Seite
Eine normale Schwarzdruckseite im Buch: 2 Cent (egal ob Buchstaben oder SW-Fotos oder SW-Zeichnungen)
Dies gilt für Kleinstauflagen von 30 Stück. Bei höheren Auflagen wird es billiger.
Heftchenbindung:
Jeder kennt doch diese Dr. Berg-Schmachtheftchen vom Kiosk. Wenn man in dieser Forum binden lässt, kann man bis zu 80 Seiten reinbringen und die Kosten fallen weiter. 50 Stück kosten knapp 100 Euro. Macht ungefähr 2 Euro pro Exemplar. Auch hier gilt: je größer die Auflage, je billiger wird das einzelne Heftchen.
Die PRISMA Verlagsdruckerei bietet den Service von Kleinstauflagen und verschickt die fertigen Bücher auch bundesweit. Man muss also nicht um die Ecke wohnen.
Anfragen von Autoren und Kleinverlegern sind jederzeit erwünscht.
info@prisma-druck.de
Oder:
PRISMA Verlagsdruckerei
Am Ludwigsberg 80-84
66113 Saarbrücken
Fon: 0681-41624-0
Herr Wirtz und Herr Buhles stehen euch schriftlich oder telefonisch gerne Rede und Antwort. Ihr könnt sie ruhig "löchern“. Von mir aus sagt ihnen, dass ihr durch mich auf die PRISMA-Druckerei gekommen seid. ;-)
(NEIN! Ich bekomme KEINE Prozente, weil ich Schleichwerbung mache! :-))))))
Wenn eure Sammlung von Kurzgeschichten oder Gedichten nicht reicht, um ein Taschenbuch zu füllen (100 Seiten DIN A 5 sollten es schon sein), könnt ihr auf Heftbindung ausweichen. Das sieht dann so aus wie die Liebesromanheftchen am Kiosk. Ist doch auch ganz schön und billiger als Taschenbuchbindung. Mögliche Seitenzahl: bis 80
Noch ein Wort zu den Print-on-demand-Dienstleistern:
Für eine ISBN zahlt ihr dort 62 Euro!!! Da euer Buch als Einzelstück angemeldet wird.
Eine einzelne ISBN ist tatsächlich so teuer.
Ich selber habe mir gleich 100 ISBN geben lassen für 153 Euro. Macht 1,53Euro pro ISBN. Das ist ja schon ein klitzekleines bisschen billiger, was?
Wenn man nicht ganz genau weiß, dass man wirklich nur ein einziges Buch veröffentlichen möchte, sollte man sich zumindest 10 ISBN sichern.
Preise findet man unter www.vlb.de
Ich weiß nicht, ob die Print-on-demand-Leute wirklich Einzel - ISBN pro Buch für ihre Kunden beantragen oder ob sie 100 oder 1000 ISBN auf Lager haben und die Preisdifferenz als Gewinn einstreichen.
So oder so ist es billiger, wenn man alles selbst macht.
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Literatur zum Thema: |
Manfred Plinke: Mini-Verlag
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Manfred Plinke: Publishing on Demand
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Michael Draksal:
Verlagsgründung in Deutschland
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Die Bücher kann ich sehr empfehlen. Sie sind leicht verständlich geschrieben und gehen auf jedes Detail ein. Was mich persönlich ein wenig stört ist, dass beide Autoren unbedingt haben wollen, dass man den Paragraphen 19 vermeidet. Die haben wohl noch nie was von Hobby-Verlagen gehört. ;-)
Wenn ihr dann tatsächlich euer ersten Buch in Händen haltet, könnt ihr es über eine kleine Homepage im Internet anbieten. Ich nehme JEDERZEIT die Links von Kleinverlagen in meine LINKLISTE auf!!! Lasst uns zusammenhalten! Wir Kleinen haben auch ein Recht auf unseren Anteil am großen Kuchen!
Das wars erst mal mit meinen bescheidenen Vorschlägen. Ich werde mich bemühen, diese kleine Anleitung ständig weiter zu bearbeiten und zu erweitern. Für Anregungen, Kritik, Fragen und Gelaber habe ich ein weit offenes Ohr.
Stefan Steinmetz
BLIESTAL-VERLAG
Alle Preise sind Preise vom Sommer 2003 und natürlich nicht mehr aktuell.
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