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"Merkblatt für Autoren –
gültig für Kurzgeschichten, Erzählungen, Romane"

von Monika Wunderlich, VirPriV-Verlag

Kurzgeschichten – so kurz wie möglich, so lang wie nötig

Das Manuskript einer Kurzgeschichte muss immer – wie auch eine Romanvorlage – als Manuskriptseiten, einseitig ausgedruckt ,verschickt werden (selbstverständlich niemals Handgeschriebenes), das heißt: 30 Zeilen pro Seite / ca. 60 Zeichen (mit Leerzeichen!) pro Zeile bei 1,5 Zeilenabstand, Schrift (z. B. ) Times New Roman 12.

Eine Kurzgeschichte ist eine Geschichte, an der man sehr lange arbeiten muss, um sie so kurz und so gut wie möglich zu machen.

Jedes Wort zu viel ist zu viel – also werden alle Füllwörter und Füllsätze gestrichen.
In der Kurzgeschichte, aber auch in Romanen, wird der Stil durch das Weglassen von Unwesentlichem geprägt.

Die fünf großen "W" sind nicht nur für Journalisten gültig: wer, was, wann, wo, warum. Die Substanz der Geschichte (der Konflikt) muss in einem Satz ausgedrückt werden können, die Geschichte ist nur dann gut, wenn sich die Handlung in wenigen Sätzen zusammenfassen lässt.

Schon der Anfang einer Erzählung muss fesseln, die Spannung sollte möglichst mit dem ersten Satz beginnen, also: ein Ereignis ankündigen, eine Erwartung schaffen, den Leser zum Weiterlesen verführen.

Überflüssiges streichen. Was weder die Handlung vorwärts treibt noch die Geschichte würzt, ist überflüssig, es wird gestrichen – und zwar gnadenlos –, und das nicht nur bei Kurzgeschichten, auch bei Erzählungen und Romanen, wo der Autor zu häufig ins "Schwafeln" gerät.

Immer so straff und dicht wie nur möglich schreiben, jedoch mehr, als eigentlich gebraucht wird. Das heißt, wenn sechs Seiten (und das sind immer Manuskriptseiten!) verlangt werden, wenigstens sieben Seiten schreiben, dann muss herausgestrichen werden, um auf die erforderlichen sechs Seiten zu kommen, die dann abgeschickt werden können.

Keine ewigen Beschreibungen (von Menschen, Häusern, Landschaften und so weiter), wenn es die Geschichte nicht erfordert, sondern ein einziges Charakteristikum, sorgsam ausgewählt, kann schon ausreichen. Keine langen Gedankenmonologe oder Erklärungsversuche, "was der Autor meint".

Recherchen, die Wochen und Monate dauern können, sind notwendig, wenn man über Dinge schreiben will (oder muss), die man nur flüchtig oder vom Hörensagen kennt. Ein Mediziner kann zum Beispiel nicht – ohne Fachbücher zu studieren, Gespräche zu führen etc. – seinen Protagonisten Rinderfarmen leiten lassen, oder umgekehrt.

Statt Substantive mehr Verben (nicht: im Besitz sein, sondern: besitzen) und nicht zu viele Adjektive verwenden. Adjektive sind nur dann richtig, wenn auch das Gegenteil einen Sinn ergibt: echter Schmuck – unechter Schmuck. Es gibt aber keinen echten Sommer ...

Schachtelsätze/Bandwurmsätze, Wiederholungen, Ausrufezeichen und Modewörter vermeiden.

Sparsam mit Fremdwörtern umgehen – ausgenommen, sie sind fest eingebürgert, verständlich und nicht durch deutsche Wörter zu ersetzen.
Keine abgenutzten Redensarten wiedergeben (vom Regen in die Traufe kommen, kapitaler Hirsch ...)

Im Text (dem Leser) Fragen zu stellen ist nicht sinnvoll, wörtliche Rede und gedachte Monologe natürlich ausgenommen.

Wenn maximal acht Seiten für eine Anthologie ausgeschrieben sind, nicht neun Seiten einsenden. Verlage erhalten für Anthologieausschreibungen meist weit über 200 Texte. Autoren, die sich nicht nach den Ausschreibungsregeln richten, haben selbst mit der besten Geschichte keine Chance, es wird oft noch nicht mal angelesen.

Nicht verkrampft nach Wörtern suchen. Es gibt nur eine deutsche Sprache, und man sollte sich nicht allzu weit vom Sprechdeutsch entfernen, nicht "gewollt" originell schreiben.
Den eigenen Text immer wieder – sich selbst – laut vorlesen.

In der Hausbibliothek stehen außer Duden, Fremdwörterlexikon und diversen Nachschlagewerken mindestens zwei Synonyme-Bücher.

Bevor ein Manuskript auf den Weg gebracht wird

- Jeder Computer hat ein Rechtschreibprogramm – alte oder neue Rechtschreibung, keine handschriftlichen Ergänzungen im Manuskript.
- Titelung nicht vergessen (nicht den Titel der Anthologie- Ausschreibung verwenden).
- Seitenzahlen nicht vergessen, Seiten lose in Mappe / Hülle legen, nicht in Ordnern abheften, das Anschreiben ist höflich, kurz und bündig – ohne Lobhudelei, ohne persönliche Bemerkungen, ohne Manuskripterklärungen.
- Eventuelle Empfehlungen (anderer Autor, anderer Verlag) mit einem Satz erwähnen, nicht ausschweifend erklären.
- Die Vita ist sachlich (nicht bei Adam und Eva beginnen), maximal eine Seite: wann geboren, eventuell der Beruf, ob, wo und wann bereits veröffentlicht wurde. "Zahlreiche Beiträge in Literaturzeitschriften" reicht, keine langatmigen Aufzählungen. Bei Buchveröffentlichungen: wann und wo. Wenn ein Verlag mehr wissen möchte, wird nachgefragt. Oft werden nur fünf bis sechs Zeilen Vita gewünscht, dann auch nicht mehr schreiben.
- Wenn ein Ansprechpartner namentlich bekannt ist und er bereits im Adressfeld vermerkt wurde, dann sollte man ihn auch ansprechen und nicht "Sehr geehrte Damen und Herren" schreiben.
- Rückporto nicht vergessen.
- Für Roman-Manuskripte wird außerdem noch ein Inhaltsverzeichnis beigelegt. Auch hier kurz fassen, nur den Inhalt sachlich auf einer Seite wiedergeben ohne persönliche Anmerkungen.
- Die Anzahl der Manuskriptseiten des vollständigen Romans vermerken.
- Vor allen Dingen immer erst fragen, ob und was der Verlag zur Beurteilung haben möchte.
- Nur Disketten schicken, wenn es ausdrücklich gewünscht wird.
- Nicht ohne nachzufragen per E-Mail Storys zusenden, sie werden ungelesen gelöscht – nicht nur wegen Virusgefahr. Lektoren lesen nicht am Bildschirm, sondern sie sitzen bequem, studieren die Manuskripte mit einem Stift in der Hand, trinken Kaffee ...

Und zum Schluss ...

Verlegern und Lektoren rennt immer die Zeit davon, obwohl ein Fünfzehn-Stunden-Tag die Norm ist.

Autoren schreiben nicht nur, sondern lesen, lesen, lesen – Werke bekannter und unbekannter Autoren.

Und, so bitter es auch klingt: Familienangehörige, Freunde und Bekannte sind keine objektiven Kritiker. Das können sie nicht sein, denn sie mögen den Poeten, lesen seine Geschichten mit seinen Augen, wollen ihn nicht verbessern oder verletzen.

Mit freundlicher Genehmigung © Monika Wunderlich, VirPriV Verlag 32549 Bad Oeynhausen,
Zur Werremündung 19

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