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Der (steinige) Weg zum Schriftsteller.
Wer träumt nicht davon, ein Buch mit eigenem Namen im Titel im Regal zu haben? Auf der Bestsellerliste zu stehen, von Herrn Ranicki erwähnt (lobend) zu werden, Auflagen wie Hera Lind (sie in der Vergangenheit hatte) zu haben und bestenfalls in die Literaturgeschichte einzugehen? Dies zu erreichen ist schwer und nur wenigen Zeitgenossen vorbehalten. Aber man muss im Leben ja mit allem rechnen, auch mit dem Positiven ... Weil ich immer wieder danach gefragt werde, hier ein paar Tipps für potentielle Bestseller-Autoren. Was schreibe ich? Schreiben braucht Übung. Fangen Sie deshalb nicht mit einem 500-Seiten-Roman an. Versuchen Sie sich mit Kurzgeschichten oder kleinen Erzählungen. Das Prinzip ist das gleiche wie bei einem Roman, bringt aber einerseits ein erheblich schnelleres Erfolgserlebnis und übt andererseits enorm. Worüber schreibe ich? Denken Sie sich keine haarsträubenden Abenteuer oder unglaubwürdige Verwicklungen aus, sondern schreiben Sie erstmal über Ereignisse aus ihrem Leben. Viele Situationen, die in ihrem Gedächtnis haften geblieben sind, sind es wert, dass Sie darüber schreiben. Der erste Kuss, Hochzeit der Schwester, Geburtstag der Tante - ein guter Schreiberling kann auch banal scheinende Situation so darstellen, daß sie mit Freude und Spannung gelesen werden. Aber auch wenn Sie selbst Erlebtes beschreiben, müssen Sie kreativ sein. Lassen Sie weg, was (möglicherweise) niemanden interessiert, erfinden Sie und fügen hinzu, was für die Spannung wichtig ist. – Und lesen Sie selbstkritisch ihr Werk. Mit der Zeit werden Sie von ganz allein über Textstellen stolpern, die Sie ändern oder ganz weglassen sollten. Wie schreibe ich? Dazu empfehle ich die Lektüre des Buches "Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ von James N. Frey. Sie müssen seinen Empfehlungen nicht eins zu eins folgen, aber er gibt doch wichtige Tipps. Unter anderem den, daß man der Überlegung, ein Wort, einen Absatz/Abschnitt zu ändern oder zu streichen, unbedingt nachgeben sollte. – Für mich persönlich war das der beste Tipp in seinem Buch. Wie finde ich einen Verlag? Nun haben Sie also Ihr Manuskript. Ihre Freunde und (natürlich Sie selbst) finden es ganz klasse. Es muss nur noch veröffentlicht werden. Am besten bei einem renommierten Verlag. Also suchen Sie sich ein paar Adressen aus und ab die Post. – Vergessen Sie’s! Verlage werden überschüttet von Manuskripten selbstverliebter Autoren. Also: niemals ohne vorherige telefonische Absprache mit dem jeweiligen Lektor ein Manuskript verschicken! Wie sieht ein Manuskript aus? Ein Manuskript sollte mit eineinhalbfachen Zeilenabstand geschrieben sein und möglichst 30 Zeilen à 60 Anschlägen pro Seite haben. Das ist das Standard-Format einer Buchseite. Exposé nicht vergessen! Legen Sie dem Manuskript unbedingt ein Exposé, also eine Kurzfassung Ihres Werks bei, damit sich der Lektor einen schnellen Überblick über die Handlung ("Plot“ in der Fachsprache) verschaffen kann. Aber selbst dann ist die Chance einer Veröffentlichung äußerst gering. Deshalb empfehle ich Ihnen eine Literatur-Agentur. Wie finde ich eine Literatur-Agentur? Literatur-Agenturen gibt es einige. Leider auch unseriöse. So gibt es in München zum Beispiel eine, die bekannt dafür ist, im Voraus Honorar zu verlangen (was absolut unüblich ist) und Autoren unter anderem an Zuschuss-Verlage zu vermitteln. Mir persönlich ist der Fall einer schreibenden Kollegin bekannt, die 22.000 (in Worten: zweiundzwanzigtausend) Euro für die Veröffentlichung ihres Romanes hin geblättert hat! Dazu gilt grundsätzlich: nicht der Autor zahlt, sondern der Verlag. Und Provision für betreuende Agentur fließt erst dann, wenn Honorar vom Verlag an den Autor geflossen ist. Diese Provision liegt zwischen 10 und 20 %. Üblich sind 15 %. Aufgabe der Agentur ist übrigens nicht nur die Verlagssuche, sondern auch die Vertragsverhandlung - was wichtig ist. Vor allem, was Autoren-Honorar und Vermarktungsrechte betrifft. Die für Sie geeignete Agentur sollten Sie nicht im Branchenbuch suchen, sondern durch Empfehlung finden. Beispielsweise durch einen schreibenden Kollegen oder den Lektor eines guten Verlages. Berufsbedingt hat der täglich mit Agenten zu tun und weiß die Spreu vom Weizen zu trennen. Auch hier sollten Sie keinesfalls Manuskripte ohne vorherige Absprache einschicken. Und: nicht sauer sein, wenn die Agentur meint, ihr Manuskript sei zur Veröffentlichung nicht geeignet. Nehmen Sie die Kritik an und lernen Sie daraus. Auch wenn’s schwer fällt. Was ist ein Zuschussverlag? Das ist ein Verlag, die anstatt Honorar zu zahlen (wie üblich), Geld für den Druck Ihres Buches verlangt. Marketing macht so ein Verlag – soweit mir bekannt ist – so gut wie keines. So ein Verlag lebt meistens vom Geld des Autors und nicht vom Verkauf dessen Bücher. Lassen Sie also die Finger von so einem Angebot, und verlegen Sie Ihr Buch lieber selbst. Das geht relativ einfach mit einem neuen Druckerverfahren. Ihr Buch im Eigenverlag Verzweifeln Sie nicht, wenn Sie keinen Verleger finden, denn es gibt mittlerweile die Möglichkeit, Bücher preisgünstig im Eigenverlag herauszubringen. Dafür gibt es Anbieter mit einem speziellen Druckverfahren, das es ermöglicht, Ihr Werk für relativ wenig Geld und in kleinen Auflagen zu drucken. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und hat nahezu dieselbe Qualität wie das herkömmliche Offset-Druckverfahren. Die Kosten teilen sich auf in die Grundkosten und die tatsächlichen Druckkosten. Auf dieses Weise kostet ein Taschenbuch mit rund 100 Seiten und einer Auflage von 100 Stück zur Zeit rund 500 Euro - inklusive ISBN-Nummer (die nicht zwingend aber ratsam ist). ISBN-Nummer Wenn Sie Ihr Buch selbst verlegen, sollten Sie sich eine ISBN-Nummer zulegen, damit das Buch auf den herkömmlichen Wegen im Buchhandel erworben werden kann . Diese Nummer besorgt Ihnen der jeweilige Druck-Anbieter. Umschlag-Gestaltung
Ein grundsätzlich zwingendes Rezept für die Gestaltung des Umschlags (im Eigenverlag) gibt es nicht, außer daß er aus vier wesentlichen Elementen bestehen sollte. Für die grafische Gestaltung (im Eigenverlag) gibt es mannigfaltige Möglichkeiten. Ob Sie mit Foto, Zeichnung oder nur Typografie arbeiten, bleibt Ihrem persönlichen Geschmack überlassen. Wichtig dabei ist, daß der Titel nicht überfrachtet ist, einen (subtilen) Bezug zum Inhalt hat und die Angaben gut zu lesen sind. Am besten ist, Sie überlassen die Gestaltung einem Fachmann und beschäftigen sich lieber mit dem Inhalt! Auf der Rückseite sollten Sie ein Mini-Exposé, ISBN-Nummer (mit Barcode) und Preis des Buches unterbringen. Und vergessen Sie den Buchrücken nicht! Autor und Titel sollten dort stehen. Und zwar von unten nach oben lesbar. Typografie des Inhalts Hier gilt wieder: ungefähr 30 Zeilen à 60 Anschlägen. Zeilenabstand eineinhalbfach. Blocksatz. Als Schrift für den Buchblock hat sich die mit Serifen bewährt. Das sind die kleinen Abschlußstriche, die das Auge besser durch die Zeile lenken, und der Text dadurch leichter zu lesen ist. - Die "Times“ oder "Garamont“ sind zum Beispiel solche Schriften. Achten Sie auf die Silbentrennung und vermeiden Sie große Wortabstände. Manche Programme trennen nämlich sehr sparsam und lassen große Lücken zwischen den einzelnen Wörtern entstehen - was äußerst unschön aussieht. Notfalls müssen Sie entsprechende Trenn-Korrekturen in Kleinarbeit selbst vornehmen. Tippfehler Sie können ihr Manuskript hundert Mal lesen, und es wird immer noch Tippfehler haben. Lassen Sie es deshalb von einem Menschen lesen, der mit dem Inhalt nichts zu tun hat, sondern ihn einfach nur aufmerksam auf Fehler hin untersucht. Sie werden sich wundern, was der so alles findet ... Public-Relations So, Ihr Buch ist gedruckt und schön anzusehen. Aber wie erfährt die Öffentlichkeit davon? Zuerst bringen Sie es bei den Internetbuchhändlern wie "amazon“ oder "libri“ unter . Wie das geht, erfahren Sie auf deren websites. - Dazu brauchen Sie übrigens die oben erwähnte ISBN-Nummer. Und dann sollten Sie Rezensionsexemplare an Zeitschriften- und Zeitungsverlage verschicken. Am besten ist, Sie rufen vorher an, sprechen mit dem zuständigen Redakteur und schicken Ihr Buch dann mit einem kleinen Anschreiben an ihn direkt. Und bieten Sie regionalen Zeitschriften und Radiosendern ein Interview mit Ihnen an. Die machen das erfahrungsgemäß gern. Lesung
Machen Sie Lesungen. Aber drücken Sie den Leuten nicht nur Ihre Texte aufs Auge, sondern machen Sie eine kleine Veranstaltung daraus. Lesungen mit Live-Musik haben sich gut bewährt. Ein kleines Essen dabei kann auch nicht schaden. Das Ganze muss auch nicht kostenlos sein. Ein kleiner Obolus für Musiker und Häppchen wird gern bezahlt. Sprechen lernen Bevor Sie in der Öffentlichkeit lesen, sollten Sie unbedingt Sie "sprechen“ lernen (was gar nicht so einfach ist). Kaufen Sie sich "Der kleine Hey - Die Kunst des Sprechens“, leisten Sie sich ein paar Stunden bei einem Sprech-Trainer (Branchenbuch), und üben Sie. Lesen Sie so oft wie möglich und zwar laut. Das übt einerseits, und andererseits stolpern Sie beim lauten Lesen leichter über verbesserungsbedürftige Textstellen. Und lassen Sie dabei ein Band mitlaufen. Wenn Sie zum ersten Mal hören, wie Sie sprechen, werden Sie sich vermutlich stark überlegen, ob sie das irgend jemandem zumuten wollen. Aber verlieren Sie nicht den Mut. Auch sprechen lässt sich lernen. Sie müssen ja nicht zum Profi werden ... Apropos Profi: legen Sie sich eine CD mit gesprochener Literatur zu, z. B. von Gert Westphal (einem der bekanntesten Sprecher Deutschlands), und achten Sie darauf, wie er liest. Wie und wo er Pausen einlegt, Sprechgeschwindigkeit und Tonlagen ändert und so weiter - und sprechen Sie Passagen nach. Am besten, in dem Sie das gesprochene Buch kaufen, Sätze und Passagen laut lesen, aufnehmen und dann den von Ihnen gesprochenen Text mit dem des Sprechers vergleichen ... auweia! Schreib-Wettbewerbe im Internet Im Internet gibt es diverse Stellen, wo Schreibwettbewerbe durchgeführt werden. Beteiligen Sie sich daran! Auch wenn Sie keine Lorbeeren dabei gewinnen (sollten), es übt. Und Übung ist wichtig – für jeden der schreibt. Zum Schluss mein persönlicher Tipp Lesen Sie Bücher anderer. Achten Sie darauf, was Ihnen gefällt und was Ihnen nicht gefällt. Analysieren Sie beides und versuchen Sie, es bei Ihren eigenen Werken umzusetzen. – Was gar nicht so einfach ist, leider ;-)) In diesem Sinn wünsche ich viel Erfolg – und vor allem Spaß. Denn das ist das Wichtigste beim Schreiben überhaupt. Mit frendlicher Genehmigung der Autorin Renate Blaes
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