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Interview mit Frank Schätzing, Autor, vom 20.6.2001
Frank Schätzing, 1957 in Köln geboren, Studium der Kommunikations -wissenschaften. Creativ Director in internationalen Agenturen. Mitbegründer und kreativer Geschäftsführer der Kölner Werbeagentur INTEVI. Er schrieb 1995 sein erstes Buch "Tod und Teufel" der sofort zum Bestseller wurde.
2000 kam sein Politthriller LAUTLOS auf den Markt.
Frank Schätzing ist sehr erfolgreich mit Vortragsreihen über Chaosmanagment und zukünftigen Unternehmensstrategien.
Er ist verheiratet und pflegt neben der Schriftstellerei und der Musik ein noch sehr wichtiges Hobby: Kochen. |
antholog.de:
Herr Schätzing, Sie sind erfolgreich in der Werbebranche, sind Mitgründer
und Mitinhaber einer Werbeagentur. Was trieb Sie dazu, Kriminalromane zu schreiben? |
Frank Schätzing:
Jedenfalls nicht die Langeweile. Ich schreibe einfach gerne. Ich bin von
Haus aus Werbetexter. Man kann da seine Fantasie spielen lassen und sich
eine Menge Zeugs ausdenken, aber schlußendlich muß man sich erstens kurz
fassen und zweitens die Botschaften anderer vermitteln. `95 hatte ich nach
gut zehn Jahren Werbung einfach Lust, mal eine ganz eigene Geschichte zu
erzählen, in die mir keiner reinredet, und so entstand Mordshunger (noch vor
Tod und Teufel übrigens, ich habe die Bücher anschließend in umgekehrter
Reihenfolge publiziert).
Was das Thema Krimi angeht, das hat sich eher zufällig ergeben. Ich bin
nicht unbedingt ein Krimifan, aber mir war irgendwann die Idee zu
Mordshunger gekommen, dieses Doppelgänger-Thema, und ich dachte, es könnte
reizvoll sein, ein Buch daraus zu machen. Hinzu kam, daß ich über einen
Freund den Verleger Hejo Emons kennengelernt hatte, der Regionalkrimis
veröffentlichte, es paßte also alles ganz gut zusammen. wir brachten Tod und
Teufel auf den Markt, und ich erwartete nicht sonderlich viel. Zwar auch
nicht gerade einen Mißerfolg, aber auf keinen Fall diesen Senkrechtstart,
den das Buch plötzlich hinlegte. Nicht zuletzt darum habe ich
weitergeschrieben, weil Erfolg immer auch etwas von einer Droge hat, und die
Wirkung hält immer noch vor.
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antholog.de:
"LAUTLOS" handelt von einem versuchten Terroranschlag während des G8 Gipfels in Köln, auch "Mordshunger" spielt in Köln, "Die dunkle Seite", sogar die Kurzkrimis in "Keine Angst". Auch bei "Tod und Teufel" ist Köln Ort der Handlung. Sie bleiben Ihrer Stadt also immer treu, warum aber die lange Reise in die Vergangenheit?
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Frank Schätzing:
Naja, der Köln-Bezug ergab sich eher aus der Emons-Connection, der nun mal
Köln-Krimis veröffentlicht. Also siedelte ich die Geschichte zu Mordshunger
in Köln an. Das fiel mir insofern nicht schwer, als ich tatsächlich mit Leib
und Seele Kölner bin, aber unter anderen Umständen hätte Mordshunger wohl
eher in London oder Manhattan oder Rom gespielt. So war`s dann halt ein
Köln-Krimi, denn irgendwo muß jede Geschichte spielen, also warum nicht
hier.
Als ich Mordshunger beendet hatte, schlug mir Hejo Emons vor, gleich ein
weiteres buch zu schreiben. Er hatte eine Reihe gegründet, die Köln-Krimi
Classic hieß und wie der Name schon sagt eine Reihe für historische
Krimis sein sollte. Die Reihe ließ sich etwas schleppend an, sie krankte am
ausbleiben guter Stoffe, vor allem solcher, die in ferner Vergangenheit
spielen. Also schrieb ich ein Buch über das Mittelalter, dem Geist der Reihe
gemäß wieder in Köln spielend. Jenseits allen Lokalpatriotismus ergab dieser
Köln-Bezug allerdings auch Sinn, weil Köln eine der wichtigsten Städte des
13. Jahrhunderts war. Ich denke, das ist der Grund, warum auch Nichtkölner
das Buch gerne lesen weil es eigentlich ein Buch über die Zeit im
allgemeinen ist. Und was Lautlos angeht, so ist auch hier die Location
vorgegeben, denn der G8-Gipfel fand ja nun mal in Köln statt und nicht
woanders.
Für die kommenden Jahre wird allerdings Schluß sein mit dem Tatort Köln. Die
nächsten Stoffe, die ich in Arbeit haben, brauchen den Bezug nicht mehr und
spielen ganz woanders.
Übrigens muß ich anmerken, daß ich eigentlich keine Regionalkrimis mag.
Jedenfalls die meisten nicht. Wenn eine Geschichte einzig funktioniert, weil
die Leute die Kneipe um die Ecke wiedererkennen, ist sie keine gute
Geschichte. der Schauplatz muß der Geschichte folgen, und ein Großteil der
Regionalliteratur hält es genau umgekehrt. Und fünf Köln-Bücher sind nun
wirklich genug.
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antholog.de:
Wie schwierig war es für "Tod und Teufel" zu recherchieren? Ich stelle mir gerade vor, wie sie im Schein einer Petroleumlampe in feuchten, tiefen Klosterarchiven dicke, staubige Bücher wälzen.
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Frank Schätzing:
Im Zeitalter der Elektrizität ist mir Kerzenlicht gottlob erspart geblieben,
aber es war schon ein Haufen Arbeit. Es gibt immens viel Literatur zum
Mittelalter, auch zu sehr speziellen Themen, und ich habe bergeweise Bücher
gelesen, bevor ich daranging, selber dieses eine zu schreiben.
Was den Kölner Alltag betraf, die vielen Kleinigkeiten bis hin zu der Frage,
wer in Köln wo gewohnt hat, da habe ich mich regelmäßig im historischen
Archiv der Stadt verkrochen. Ich will nicht mal sagen, es sei schwierig
gewesen, eher mühsam im Sinne des zusammentragens, bis ich überhaupt ein
halbwegs vollständiges Bild vom 13. Jahrhunderts hatte, das ich glaubhaft
vermitteln konnte. Ich wollte ja, daß man in dem Buch wirklich leben kann
und daß es einer kritischen Prüfung durch Historiker mühelos standhält.
Man sagt mir nach, ich sei ein Recherchefanatiker. Stimmt sicherlich. Aber
der muß man m. E. auch sein, wenn man solche Sachen schreiben will,
andernfalls verarscht man seine Leser mit Halbwissen und dummem Zeug.
Sich selber übrigens auch.
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antholog.de:
Sie sind der Autor von "Tod und Teufel", sie lesen die Hörkassette selbst,
sogar die Musik haben Sie selbst geschrieben. Wann wird Tod und Teufel mit Frank Schätzing in einer der Hauptrollen verfilmt? Vielleicht als Jacop oder gar Urquhart ?
Und wer wird die Richmodis spielen? Wer führt Regie?
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Frank Schätzing:
Naja, für Urquhart bin ich zu lieb und für Jacop zu alt. Andererseits, warum
nicht? Wir neigen hierzulande ja ein bißchen zur Verschubladung, entweder
man ist Schriftsteller oder Maler oder Koch oder dies oder das: wenn einer
bücher schreibt, kann er nicht auch noch ein guter Schauspieler sein oder
Musiker. Stimmt nicht! Werfen wir einen Blick auf das Star-Verständnis der
Amerikaner, speziell auf die Zeit der amerikanischen Superstars Mitte des
letzten Jahrhunderts, begegnen wir Allround-Kreativen, von denen man sogar
erwartete, daß sie zugleich schauspielern, singen und tanzen konnten. so
gesehen spricht nichts dagegen, daß ein Autor auch Musik komponiert oder vor
die Kamera tritt.
Ich glaube, daß Kreativität unteilbar ist. Wenn man wirklich kreativ ist,
ist man nicht nur Schriftsteller, Musiker oder Schauspieler, man ist
potenziell alles, und es ist lediglich die Frage, auf welchen Gebieten man
brilliert. Wenn ich schreibe, sehe ich Bilder und höre Musik, es entstehen
Ideen, die übers schreiben hinausgehen. Daraus was zu machen, scheint mir
die logische Konsequenz. Vorausgesetzt natürlich, man beherrscht die
Materie. Ich bin halt auch Musiker, also nutze ich diesen Umstand, um meine
Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Im Herbst bringe ich ein weiteres
Hörbuch auf den Markt mit dem Titel "Keine Angst", und der Musikanteil wird
noch größer sein als bei Tod und Teufel. Einige sehr gute Musiker aus Jazz
und Rock machen mit, der Spaß ist garantiert, und wenn zum Spaß gehört, in
einem Kinofilm durchs Bild zu huschen, sage ich wahrscheinlich auch nicht
nein.
Und ich stelle mich auch brav der Schimpfe hinterher, wenn`s peinlich
war.
Ich habe übrigens tatsächlich oft schon beim schreiben die Filmbesetzung im
Kopf. Weil der Kopf nichts kostet, ist es immer gleich die Idealbesetzung.
Es wäre vielleicht eine hübsche Idee, die Richmodis von Angelina Jolie
spielen zu lassen und Urquhart von Arnold Schwarzenegger. Im Ernst, Tod und
Teufel ist ein Actionstoff und bei den entsprechenden Akteuren und
Produzenten sicher besser aufgehoben als im Kopfkino.
Augenblicklich beschäftigt sich Hollywood mit dem Stoff, und es sind ganz vielversprechende
Kontakte zu Regisseuren und Schauspielern geknüpft worden. Mordshunger und
die Dunkle Seite sind bereits in der Drehbucherstellung fürs Fernsehen,
erste interessensbekundungen an Lautlos kommen aus Amerika, klingt also
alles in allem recht gut. Nur, bis und ob aus all dem was wird... schaun mer
mal. |
antholog.de:
Wird es einen weiteren historischen Kriminalroman von Ihnen geben?
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Frank Schätzing:
Ungern. Ich habe einen veröffentlicht, weil die Story gerade so gut paßte,
aber es liegt mir nicht, mich einem einzigen Genre zu verschreiben. Man ist
dann plötzlich der mit den historischen Romanen. Hinzu kommt, daß ich mich
grundsätzlich eher für aktuelles und kommendes interessiere statt für
vergangenes. Nostalgie ist nicht mein Ding.
Aber wie gesagt, die Idee, die Inspiration steht im Vordergrund. Ich habe
einige Stoffe in Planung, einen konkret, und es findet sich nichts
historisches darunter. Ich weiß, daß viele Leser es gerne sähen, wenn ich
die Fortsetzung zu "Tod und Teufel" oder etwas ähnliches schreiben würde, aber
das wäre zum augenblicklichen Zeitpunkt reines Kalkül. andererseits, eines
Tages, wenn mich im Schlaf die alten Römer heimsuchen...
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antholog.de:
Wie sehr hilft das Internet bei der Recherche Ihrer Themen?
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Frank Schätzing:
Mittlerweile sehr, aber es ersetzt nicht die vertiefende Lektüre guter
Fachbücher und schon gar nicht das persönliche Gespräch mit Experten. aus
solchen Gesprächen beziehe ich die vielleicht interessantesten
Informationen, sie gewähren oft einen Blick hinter die Kulissen, und sie
haben den Vorzug der Authentizität, was man vom Internet nicht in allen
Fällen sagen kann (vom Fachbuch übrigens auch nicht immer).
Ich schätze das Internet wegen des schnellen Zugriffs und als
Zwischenschritt auf der Suche nach geeigneter Lektüre und profunden
Gesprächspartnern. Letztere sind und bleiben mein Lieblingsquell für
Recherche, und das aus einem ganz einfachen Grund: Man kann mit ihnen zu
Abend essen und sich mit ihnen beim guten Wein austauschen, und gutes Essen
und Trinken liebe ich nun mal über alles.
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antholog.de:
In "LAUTLOS" kommen irischer und schottischer whiskey und whisky nicht zu kurz, in "Mordshunger" lassen Sie dem Leser
zum Beispiel durch die Rezepte zu "Seewolf in Senfsauce" und "Barbarie-Entenbrust in Thymian-Honigsauce" das Wasser
im Mund zusammenlaufen. Welche kulinarischen Leckerbissen haben wir denn im nächsten Roman zu erwarten?
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Frank Schätzing:
Sie werden doch nicht erwarten, daß der Koch das Menü verrät?
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antholog.de:
Sehr schön Ihre Bonmots in "LAUTLOS" - wie etwa die Stewardessen namens Schiffer und Klum,
oder der Hinweis auf die Erfinderin Hedy Lamarr. In "LAUTLOS" gibt es diese nette abendliche
Szene im Maritim mit einer Schauspielerin, einer Kulturdezernentin, einem Herrn von der IHK
und dem Bankenvorstand, die mit Dr. O`Connor, Kika Wagner und Kuhn zu Abend essen, die ich
förmlich genossen habe. Stellt Dr. O`Connors Dialog eine Art Anklage gegen das in
Deutschland herrschende Desinteresse an weltpolitischen Themen dar,
sofern sie nur weit genug weg sind?
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Frank Schätzing:
Ja natürlich, und auch gegen das vermeintliche, vorgespielte Interesse, das
fast noch schlimmer ist. Was wir etwa über die Hintergründe der Tragödie auf
dem Balkan wissen, geht gegen Null. Wobei weit weg relativ ist. OŚconnor
spricht irgendwann von dem anderswo vor der eigenen Haustür.
Das schlimmste an unserem Umgang mit der Welt ist eigentlich, daß wir von
immer mehr immer weniger verstehen, wir erweitern unseren Unverstand,
dennoch mischen wir uns oft zwangsläufig überall ein, und oft genug
registrieren wir nicht einmal, daß wir eigentlich gar nicht mitreden können.
Wir glauben dem Fernsehen, und wenn das Fernsehen sagt, es ist so und so,
dann ist es eben so und nicht anders, denn das Fernsehen ist ja die
Wirklichkeit. Aber das ist nicht alleine ein deutsches Phänomen. die meisten
Amerikaner haben nicht mal ansatzweise eine Ahnung, wo das Kosovo überhaupt
liegt, geschweige denn, warum man sich da die Köpfe einschlägt, aber die USA
engagierten sich in einer Intervention, also redete man darüber, und unterm
Strich redete man viel dummes Zeug so wie einige der Herrschaften in der
Maritim-Szene.
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antholog.de:
Ihr Held in "LAUTLOS", Dr. Liam O ´Connor ist gross, gutaussehend,
hat graue Haare und tiefblaue Augen, die laut Beschreibung eingebettet sind in
fast anämisches Weiss. Er trinkt Whiskey bis kurz vor der Bewusslosigkeit,
mag anscheinend grosse, schlanke Frauen mit honigfarbenem Haar, spielt gerne
Golf und hat eine natürliche Lässigkeit, die oft penetrant überheblich wirkt.
Wieviel davon ist Fantasie, wieviel davon spiegelt Frank Schätzing wieder?
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Frank Schätzing:
Lassen sie das um Himmelswillen andere beantworten! Ich bin nicht mal
Einsachtzig groß. Allerdings mag ich Single Malt, und meine Frau hat
honigfarbenes Haar. Ende des vorhergehenden, wie Flann O´Brien sagte, wenn
der Worte genug gewechselt und die Gläser leergeworden waren.
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antholog.de:
Welcher literarischen Richtung würden Sie sich selbst zuordnen?
Oder möchten Sie sich da nicht festlegen, bzw. nicht festlegen lassen?
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Frank Schätzing:
Thriller. im weitesten Sinne.
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antholog.de:
Sie befassen sich neben der Arbeit in Ihrer Agentur und dem Schreiben
von Büchern auch noch mit Kommunikationswissenschaften und Chaostheorie.
Mit dem Begriff Kommunikationswissenschaften kann wohl jeder etwas anfangen,
aber was bedeutet Chaostheorie?
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Frank Schätzing:
Chaostherie ist eine mathematische Theorie, und sie beschreibt im Grunde
Ordnungsstrukturen. Ordnung und Unordnung bedingen einander, aus dem Chaos
erwächst die Kreativität (beispielsweise die evolutionäre), es entsteht
Ordnung, aber diese Ordnung ist trügerisch, weil allzu starre Ordnung zu
plötzlichen Zusammenbrüchen führen kann und alles wieder im Chaos versinkt.
Das schönste Beispiel für die Chaostheorie liefert das Universum selbst. Als
es sich ausbreitete, gab es keine festen Strukturen, alles war eine höllisch
heiße Ursuppe durcheinanderwirbelnder Teilchen, das perfekte Chaos. mit der
Abkühlung des frühen Universums entstanden Verklumpungen von Materie, die
schließlich zur Bildung von Galaxien, Sonnen und Planeten führten. Aus dem
Chaos wurde Ordnung. Andererseits kann eine Sonne, ein roter Riese, nach
Jahrmillionen konstanter Entwicklung in einer Supernova auseinanderfliegen,
und so wird aus Ordnung plötzlich und oft unvorhergesehen wieder Chaos.
Wie gesagt, es handelt sich um eine mathematische Theorie, aber sie hat ein
bißchen Wirbel unter Schöngeistern gemacht, weil sie sich ganz gut auf
philosophisches Terrain erweitern läßt. Sie lehrt uns, daß die Welt nicht
bis ins Kleinste hinein prognostizierbar ist und daß wir uns auf die von der
Natur oder von uns geschaffenen Ordnung nicht zu sehr verlassen sollten. Sie
lehrt uns aber auch, daß Schöpfung nur aus Chaos hervorgehen kann. Wenn ich
ein neues Buch in Angriff nehme, wirbeln meine Gedanken zu anfang ziellos
durcheinander, bis sich einige davon finden und Strukturen ergeben.
Unternehmen in der wirtschaft tun gut daran, ein gewisses Chaos, also eine
Atmosphäre des Freidenkens, zuzulassen, damit die großen Ideen überhaupt
entstehen können. Richtig verstanden müßte die Chaostheorie die
Lieblingstehorie der Kreativen sein. Und überhaupt auch der Romantiker. Denn
sie sagt auch, daß der kleine pickelige Junge mit der dicken Brille das
Traummädchen bekommen kann, und nicht der großgewachsene Schönling.
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antholog.de:
Was macht Frank Schätzing in seiner Freizeit? |
Frank Schätzing:
Bücher schreiben. Musik komponieren. Kochen für Frau und Freunde. Leute
kennenlernen, rausgehen. reisen, wenn irgend möglich, bevorzugt nach
England, Schottland oder Italien. wenn dann noch zeit bleibt, lesen.
schlafen?
Stimmt, da war noch was...
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antholog.de:
Verraten Sie unseren Lesern ein paar von Ihnen bevorzugte Seiten im Web? Warum Sie dorthin surfen, was dabei wichtig für Sie ist?
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Frank Schätzing:
Ich nutze das Web sehr gezielt und surfe so gut wie nie. Am liebsten gehe
ich auf die Homepages der Kino-Companies und schaue mir die Making ofs und
die Trailer an. Eine seite allerdings, genauer gesagt ein komplettes Web,
kann ich jedem empfehlen, der sehen möchte, was im Netz State of the Art
ist. Bowienet, die Homepage von David Bowie, ist exzellent!
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antholog.de:
Haben Sie bei meinen Fragen eine Frage vermisst?
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Frank Schätzing:
Nein. Ich hoffe, Sie haben keine Antwort vermißt.
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antholog.de:
Noch einen Schlusssatz?
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Frank Schätzing:
Eine ganz einfache: Keine Angst vorm schreiben. Ich höre oft von Leuten, die
gerne eine Geschichte aufschreiben würden oder ein Buch, sich aber nicht
trauen oder sich nicht für fähig halten. Kann sein, daß sie tatsächlich
nicht fähig sind. aber das weiß man immer erst hinterher. Wer etwas zu
erzählen hat, soll erzählen! Vielleicht entpuppt man sich ja als
literarisches genie.
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Erstveröffentlichung am 20.6.2001 auf www.sagmal.de
Kommentare zu den Interviews, oder darüber diskutieren könnt Ihr in unserem Forum
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