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Interview mit Gudrun Hebel von Agentur Literatur
Gudrun Hebel, geb. 1963 am Rhein, Studiums der Skandinavistik, Slawistik (damals noch mit w geschrieben) und Politologie in Berlin, während des Studium diverse Jobs, z.B als freie Journalistin für dpa, Übersetzerin, Sekretärin, Buchführungsbüro und und und, bei denen ich im Nachhinein viel nun auch als Agentin Anwendbares gelernt habe. Dann hatte ich das große Glück, gleich eine Anstellung im Beuth Verlag zu bekommen. 1997, nach einer nebenberuflichen Tätigkeit als Gutachterin und Freizeitagentin, der Sprung in die Selbstständigkeit, den ich bis heute nicht bereue.www.agentur-literatur.de
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antholog.de:
Gudrun, wie wird man eigentlich Literaturagentin? Lektoren sagt man ja nach,
sie würden selbst nichts Brauchbares zu Papier bringen und deshalb zum
Lektorat wechseln. Ist das bei Agenten ähnlich?
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Gudrun Hebel:
Kann man so sagen. Schreiben wollte ich noch nie, mit Büchern zu tun haben
schon immer. Im Prinzip kann sich jeder Literaturagent nennen, der Begriff
ist nicht geschützt. Beste Voraussetzungen sind: ein literarisches Gespür,
Erfahrungen im Lizenzhandel, kaufmännisches Können und Denken, und eine
Riesenportion Zuversicht, um die Stapel an Texten zu sichten. Sowie Geduld,
Ausdauer und große Kommunikations- und Begeisterungsfähigkeit.
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antholog.de:
Seit wann gibt es die Literatur Agentur und wie ist sie entstanden?
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Gudrun Hebel:
Offiziell gibt es die Agentur seit Januar 1998, mit einem entsprechenden
Vorlauf. "Schuld" daran, dass es die Agentur gibt, hat die schwedische
Schriftstellerin Marianne Fredriksson, für die ich aus Leidenschaft einen
deutschen Verlag gesucht habe, als ich noch in einem Sachbuchverlag
arbeitete. Durch sie kam ich in Kontakt mit dem schwedischen Agenten Bengt
Nordin und hörte erstmals von dem Beruf des literarischen Agenten. Als
Marianne Fredriksson so erfolgreich wurde, habe ich mich entschieden, meine
Festanstellung zu kündigen und mich mit einer Agentur, spezialisiert auf den
skandinavischen Buchmarkt, selbstständig zu machen. Schon bald traten
deutsche Autoren an mich heran und boten mir ihre Manuskripte zur
Vermittlung an, und so wuchs die Agentur allmählich.
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antholog.de:
Warum braucht deiner Meinung nach ein Autor einen Agenten?
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Gudrun Hebel:
Verlage haben, auch wenn sie gern Gegenteiliges behaupten, ein
wirtschaftliches Interesse. Das können sie vor allem auf Kosten der Autoren
umsetzen. Mit einer Agentur dazwischen, die das Potential eines Autoren er-
und die Usancen des Buchmarktes kennt, wird das wirtschaftliche Interesse
des Autoren besser wahrgenommen. Zusätzlich leistet eine gute Agentur etwas
von der Arbeit, die früher ein Lektor übernahm: Begleitung und falls
gewünscht Unterstützung bei der Ideen- und Manuskriptentwicklung.
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antholog.de:
Nach welchen Gesichtspunkten sollte man seinen persönlichen Agenten
auswählen?
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Gudrun Hebel:
Schwierige Frage. In der Regel kennt sich ein Autor nicht genügend aus, um
eine Agentur wirklich beurteilen zu können. Auf jeden Fall sollte man
keinerlei finanzielle Verpflichtungen eingehen. Eine Agentur arbeitet auf
Provisionsbasis und ist am Erfolg einer Autorenschaft beteiligt, sie lebt
nicht auf Kosten von Autoren.
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antholog.de:
Wie muss ein Verhältnis zwischen Agent und Autor sein, um erfolgreich zu
sein?
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Gudrun Hebel:
Gut, natürlich :-)) Wie überall in einer guten Beziehung sollte es von
gegenseitigem Respekt geprägt sein und beide das jeweilige fachliche Können
des anderen auch annehmen.
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antholog.de:
Welche Fehler werden bei der Suche nach Agenten gemacht?
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Gudrun Hebel:
Für mich gibt es zwei große NOs:
1. Erzählen, dass alle Freunde das
Manuskript ganz toll fanden; 2. als Beleg für das eigene Schreibtalent
berichten, dass man schon als Kleinkind gern Geschichten erfand. Beide Punkte sagen nichts über die Textqualität aus.
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antholog.de:
Und auf was sollten Autoren auf jeden Fall achten, wenn sie sich für einen
Agenten entscheiden?
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Gudrun Hebel:
Wie gesagt, keine finanzielle Verpflichtung über die Erfolgsbeteiligung
hinaus eingehen, schon gar kein "Lektorat" zahlen. Auf der anderen Seite
sich aber auch nicht nur von großen Namen blenden lassen.
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antholog.de:
Haben junge Autoren überhaupt eine Chance auf dem deutschen Markt?
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Gudrun Hebel:
Ja, haben sie, wenn sie gut schreiben können. Das sind allerdings höchstens
2 % aller Freizeitschriftsteller.
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antholog.de:
Man liest immer wieder, dass Verlage lieber Massenware aus den USA
einkaufen.
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Gudrun Hebel:
Auch diese Aussage stimmt. Ein bereits im amerikanischen Markt erfolgreiches
Buch lässt sich viel leichter den deutschen Lesern verkaufen als ein
unbekannter deutscher Autor, dem immer noch ein wenig der Makel des
Intellektuellen anhaftet.
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antholog.de:
Nehmt Ihr auch unbekannte Autoren unter eure Fittiche und wenn ja, unter
welchen Voraussetzungen?
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Gudrun Hebel:
Unter den gleichen wie bekannte: d.h. auf Provisionsbasis. Voraussetzung für
eine Kooperation zwischen einem Autor und meiner Agentur ist momentan
allerdings meine Einschätzung, ob ein Autor das Potenzial für eine
langfristige erfolgreiche Zusammenarbeit hat, bei der beide wachsen können.
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antholog.de:
Wie reagieren Verlage, wenn Agenten versuchen, ihnen Neulinge anzubieten?
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Gudrun Hebel:
Meist interessiert, wenn Thema und Geschichte stimmen.
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antholog.de:
Wie stehst du zum Medium Internet?
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Gudrun Hebel:
Eine wunderbare Hilfe, ohne die ich mir meine Arbeit nicht vorstellen kann.
Auch wenn man die Infos aus dem Netz immer mit einer Prise Salz nehmen
sollte.
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antholog.de:
Wie wichtig ist es für dich und wie nutzt du es?
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Gudrun Hebel:
Dank DSL bin ich immer im Netz.
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antholog.de:
Gibt es eine Lieblingsseite, die dir besonders am Herzen liegt?
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Gudrun Hebel:
www.buchmesse.de - ein ganz wichtiges Forum mit Informationen rund um die
Verlagslandschaft, die allen Autoren wärmstens empfohlen werden kann: Die
Kataloge geben Auskunft über das Profil eines Verlages und deren gesamte
Adressen.
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antholog.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?
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Gudrun Hebel:
Ja, die Frage, was sich eine Agentin wünscht.
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antholog.de:
Was wünscht sich denn eine Agentin?
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Gudrun Hebel:
Dass die Autoren vor dem Schicken eines Manuskriptes anrufen und dann solche Texte schreiben, wie sie der Markt nun einmal haben möchte. D.h. z.B.: so ist ein Text unter 180 Seiten Länge nur in Ausnahmefällen für eine Veröffentlichung geeignet, meist jedoch Privatvergnügen.
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antholog.de:
Noch einen Schlusssatz?
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Gudrun Hebel:
Literaturagentin ist ein wunderbarer Beruf, der ohne Autoren nicht auskommt.
www.agentur-literatur.de
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Das Interview wurde am 10.9.2004 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von antholog.de. Wir danken Gudrun Hebel für die Beantwortung unserer Fragen. Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen. Kommentare zu den Interviews, oder darüber diskutieren könnt Ihr in unserem Forum |
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