Antholog - Das Anthologieverzeichnis Antholog - Das Anthologieverzeichnis
HOME  Interviews    Forum    Tipps    Ausschreibungen  Links    AdA    Bücher    

Tipps

E-Book mit Kurzgeschichten

Torsten Low
Der Selbstverlag
Holger M. Pohl
Verlag sucht Autor
Stefanie Pappon:
Wie man Kritik verdaut
Monika Wunderlich :
Merkblatt für Autoren
Peter J. Dobrovka :
Vor Druckkosten - zuschussverlagen wird gewarnt
Corinna E. A. Schütt
Von der Sachbuch-Idee zum Erstlingswerk
Hella Streicher:
BoD - Ein Erfahrungsbericht
Ulrike Nolte:
Books on Demand
Nikola Hahn:
Das Problem mit den Socken
Andreas Eschbach:
Books on Demand.
Renate Blaes:
Der (steinige) Weg...

 

Interview mit Gudrun Hebel von Agentur Literatur

Gudrun Hebel Gudrun Hebel,
geb. 1963 am Rhein, Studiums der Skandinavistik, Slawistik (damals noch mit w geschrieben) und Politologie in Berlin, während des Studium diverse Jobs, z.B als freie Journalistin für dpa, Übersetzerin, Sekretärin, Buchführungsbüro und und und, bei denen ich im Nachhinein viel nun auch als Agentin Anwendbares gelernt habe. Dann hatte ich das große Glück, gleich eine Anstellung im Beuth Verlag zu bekommen. 1997, nach einer nebenberuflichen Tätigkeit als Gutachterin und Freizeitagentin, der Sprung in die Selbstständigkeit, den ich bis heute nicht bereue.

www.agentur-literatur.de

antholog.de:
Gudrun, wie wird man eigentlich Literaturagentin? Lektoren sagt man ja nach, sie würden selbst nichts Brauchbares zu Papier bringen und deshalb zum Lektorat wechseln. Ist das bei Agenten ähnlich?

Gudrun Hebel:
Kann man so sagen. Schreiben wollte ich noch nie, mit Büchern zu tun haben schon immer. Im Prinzip kann sich jeder Literaturagent nennen, der Begriff ist nicht geschützt. Beste Voraussetzungen sind: ein literarisches Gespür, Erfahrungen im Lizenzhandel, kaufmännisches Können und Denken, und eine Riesenportion Zuversicht, um die Stapel an Texten zu sichten. Sowie Geduld, Ausdauer und große Kommunikations- und Begeisterungsfähigkeit.

antholog.de:
Seit wann gibt es die Literatur Agentur und wie ist sie entstanden?

Gudrun Hebel:
Offiziell gibt es die Agentur seit Januar 1998, mit einem entsprechenden Vorlauf. "Schuld" daran, dass es die Agentur gibt, hat die schwedische Schriftstellerin Marianne Fredriksson, für die ich aus Leidenschaft einen deutschen Verlag gesucht habe, als ich noch in einem Sachbuchverlag arbeitete. Durch sie kam ich in Kontakt mit dem schwedischen Agenten Bengt Nordin und hörte erstmals von dem Beruf des literarischen Agenten. Als Marianne Fredriksson so erfolgreich wurde, habe ich mich entschieden, meine Festanstellung zu kündigen und mich mit einer Agentur, spezialisiert auf den skandinavischen Buchmarkt, selbstständig zu machen. Schon bald traten deutsche Autoren an mich heran und boten mir ihre Manuskripte zur Vermittlung an, und so wuchs die Agentur allmählich.

antholog.de:
Warum braucht deiner Meinung nach ein Autor einen Agenten?

Gudrun Hebel:
Verlage haben, auch wenn sie gern Gegenteiliges behaupten, ein wirtschaftliches Interesse. Das können sie vor allem auf Kosten der Autoren umsetzen. Mit einer Agentur dazwischen, die das Potential eines Autoren er- und die Usancen des Buchmarktes kennt, wird das wirtschaftliche Interesse des Autoren besser wahrgenommen. Zusätzlich leistet eine gute Agentur etwas von der Arbeit, die früher ein Lektor übernahm: Begleitung und falls gewünscht Unterstützung bei der Ideen- und Manuskriptentwicklung.

antholog.de:
Nach welchen Gesichtspunkten sollte man seinen persönlichen Agenten auswählen?

Gudrun Hebel:
Schwierige Frage. In der Regel kennt sich ein Autor nicht genügend aus, um eine Agentur wirklich beurteilen zu können. Auf jeden Fall sollte man keinerlei finanzielle Verpflichtungen eingehen. Eine Agentur arbeitet auf Provisionsbasis und ist am Erfolg einer Autorenschaft beteiligt, sie lebt nicht auf Kosten von Autoren.

antholog.de:
Wie muss ein Verhältnis zwischen Agent und Autor sein, um erfolgreich zu sein?

Gudrun Hebel:
Gut, natürlich :-)) Wie überall in einer guten Beziehung sollte es von gegenseitigem Respekt geprägt sein und beide das jeweilige fachliche Können des anderen auch annehmen.

antholog.de:
Welche Fehler werden bei der Suche nach Agenten gemacht?

Gudrun Hebel:
Für mich gibt es zwei große NOs:
1. Erzählen, dass alle Freunde das Manuskript ganz toll fanden; 2. als Beleg für das eigene Schreibtalent berichten, dass man schon als Kleinkind gern Geschichten erfand. Beide Punkte sagen nichts über die Textqualität aus.

antholog.de:
Und auf was sollten Autoren auf jeden Fall achten, wenn sie sich für einen Agenten entscheiden?

Gudrun Hebel:
Wie gesagt, keine finanzielle Verpflichtung über die Erfolgsbeteiligung hinaus eingehen, schon gar kein "Lektorat" zahlen. Auf der anderen Seite sich aber auch nicht nur von großen Namen blenden lassen.

antholog.de:
Haben junge Autoren überhaupt eine Chance auf dem deutschen Markt?

Gudrun Hebel:
Ja, haben sie, wenn sie gut schreiben können. Das sind allerdings höchstens 2 % aller Freizeitschriftsteller.

antholog.de:
Man liest immer wieder, dass Verlage lieber Massenware aus den USA einkaufen.

Gudrun Hebel:
Auch diese Aussage stimmt. Ein bereits im amerikanischen Markt erfolgreiches Buch lässt sich viel leichter den deutschen Lesern verkaufen als ein unbekannter deutscher Autor, dem immer noch ein wenig der Makel des Intellektuellen anhaftet.

antholog.de:
Nehmt Ihr auch unbekannte Autoren unter eure Fittiche und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen?

Gudrun Hebel:
Unter den gleichen wie bekannte: d.h. auf Provisionsbasis. Voraussetzung für eine Kooperation zwischen einem Autor und meiner Agentur ist momentan allerdings meine Einschätzung, ob ein Autor das Potenzial für eine langfristige erfolgreiche Zusammenarbeit hat, bei der beide wachsen können.

antholog.de:
Wie reagieren Verlage, wenn Agenten versuchen, ihnen Neulinge anzubieten?

Gudrun Hebel:
Meist interessiert, wenn Thema und Geschichte stimmen.

antholog.de:
Wie stehst du zum Medium Internet?

Gudrun Hebel:
Eine wunderbare Hilfe, ohne die ich mir meine Arbeit nicht vorstellen kann. Auch wenn man die Infos aus dem Netz immer mit einer Prise Salz nehmen sollte.

antholog.de:
Wie wichtig ist es für dich und wie nutzt du es?

Gudrun Hebel:
Dank DSL bin ich immer im Netz.

antholog.de:
Gibt es eine Lieblingsseite, die dir besonders am Herzen liegt?

Gudrun Hebel:
www.buchmesse.de - ein ganz wichtiges Forum mit Informationen rund um die Verlagslandschaft, die allen Autoren wärmstens empfohlen werden kann: Die Kataloge geben Auskunft über das Profil eines Verlages und deren gesamte Adressen.

antholog.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?

Gudrun Hebel:
Ja, die Frage, was sich eine Agentin wünscht.

antholog.de:
Was wünscht sich denn eine Agentin?

Gudrun Hebel:
Dass die Autoren vor dem Schicken eines Manuskriptes anrufen und dann solche Texte schreiben, wie sie der Markt nun einmal haben möchte. D.h. z.B.: so ist ein Text unter 180 Seiten Länge nur in Ausnahmefällen für eine Veröffentlichung geeignet, meist jedoch Privatvergnügen.

antholog.de:
Noch einen Schlusssatz?

Gudrun Hebel:
Literaturagentin ist ein wunderbarer Beruf, der ohne Autoren nicht auskommt.

www.agentur-literatur.de

Das Interview wurde am 10.9.2004 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von antholog.de.
Wir danken Gudrun Hebel für die Beantwortung unserer Fragen.
Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen.

Kommentare zu den Interviews, oder darüber diskutieren könnt Ihr in unserem Forum

 Nach oben

 
Partnerseiten
Online-Buchhandlung TUBUK
Online-Buchhandlung bilandia
www.autorenecke.de
www.schreibwerkstatt.de
www.buecherlesung.de
www.united-for-peace.org
www.webcritics.de

© Compuexe deSign Impressum  Mail