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Interview mit Ina Coelen
Ina Coelen wurde 1958 in Vorst, einem kleinen Ort bei Krefeld geboren. Wie viele andere lernte sie mit sieben Jahren lesen und schreiben. Mit 14 Jahren gab sie ihre erste Lesung in der Krefelder Stadtbücherei.
Nachdem sie viele Drei-???-Bücher verschlungen hatte, wurde sie zum eingefleischten Hitchcockfan, über Agatha Christie landete sie dann bei Edgar Allen Poe.
Nach dem Studium der Visuellen Kommunikation entdeckte sie ihre Krimileidenschaft durch die Bücher von Milena Moser wieder.
Vor ein paar Jahren wurde sie Mitglied der Autorinnen-Vereinigung ???Sisters in Crime“ und beim ???Syndikat“.
1984 gründete Ina Coelen mit Ihrem Mann ein eigenes Werbeatelier und zeichnet seither unter anderem Cartoons, Designermöbel und Kinderbücher.
1991 fand die erste Vorstellung ihres Marionetten-Theaters statt, für das sie Puppen und Kulissen selber baute und eigene Stücke für Kinder schrieb.
1997 begann sie Krimi-Kurzgeschichten zu schreiben (sobald Sie mehr Zeit hat, schreibt Sie auch einen Roman).
2000 gab sie mit Ingrid Schmitz die Rheinleichen heraus. 24 Kurzkrimis von 18 AutorInnen der Schriftsteller-Vereinigung ???Sisters in Crime“.
2001 erschienen Tödliche Beziehungen und Teuflische Nachbarn, ebenfalls zusammen mit Ingrid Schmitz www.krimischmitz.de.
2002 erschien Die vielen Tode des Herrn S., das sie zusammen mit Mischa Bach und Ingrid Schmitz herausgegeben hat.
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www.Coelen-krimi.de
antholog.de: Ina, du hast in deinem Leben schon viele Dinge gemacht. Von der Werbebranche übers Marionettentheater bis hin zu Krimis und vieles Andere mehr.
Wenn du einen Beruf angeben musst, was ist es dann?
Ina Coelen: Meinen Beruf gebe ich mit Grafik-Designerin an, denn in der Branche arbeite ich kontinuierlich seit 23 Jahren. Dieser Beruf ist so vielseitig, ich zeichne, texte, schreibe und immer lerne ich etwas Neues dazu und habe viel mit Menschen zu tun. Ständig ist die Kreativität gefragt und daraus hat sich eigentlich alles, was ich sonst noch mache, entwickelt. Damit meine ich das Marionettentheater, das Puppen bauen und Stücke schreiben, der Wechsel zum Krimi und jetzt auch zum "Bücher machen".
antholog.de: Du schreibst Krimis. Mit welchen Ziel?
Ina Coelen: Mit meinen Kriminalgeschichten möchte ich in erster Linie unterhalten, deshalb schreibe ich vorwiegend humorvolle Stories. Die meisten dieser Geschichten spielen in meiner Heimat, denn mein Anliegen ist, den Menschen den Niederrhein nahe zu bringen. Die Geschichte und Entwicklung dieser Region ist so interessant und vielseitig, die Römer sind hier gewesen, die Franzosen, Spanier und Niederländer haben diesen Landstrich geprägt, hier gibt es unglaublich viel zu entdecken, und das möchte ich den Lesern nahe bringen. Sie neugierig zu machen mit spannenden Kriminalgeschichte ist mein Ziel.
antholog.de: Aber du schreibst nicht nur Krimis, du engagierst dich auch beim Syndikat und den Sisters in Crime. Wo liegen dort deine Aufgaben?
Ina Coelen: Sinn dieser beiden Netzwerke ist, der Austausch und der Kontakt zu Gleichgesinnten. Man bekommt Informationen, tauscht Erfahrungen z.B. mit verschiedenen Verlagen aus, oder bekommt Hilfestellung bei der Recherche. Oder man trifft sich ab und zu einfach in geselliger Runde, denn beim Schreiben sitzt jeder nur für sich alleine am PC. Im Syndikat arbeite ich dieses Jahr wieder in der Jury für den Friedrich-Glauser-Kurzkrimipreis mit. Bei den ???Sisters in Crime“ werde ich bei der Organisation der Feier zum 10-jährigen Bestehen der deutschen Sektion im kommenden Jahr helfen.
antholog.de: Außerdem organisierst du die Krefelder Krimitage und weitere Lesungen. Das ist doch bestimmt viel Arbeit. Was bringt es dir?
Ina Coelen: Ich möchte nicht nur den Leser an den Niederrhein locken, ich organisiere auch viele Lesungen, um deutschsprachige KrimiautorInnen an den Niederrhein, vorwiegend in meine Heimatstadt Krefeld, zu holen. Meiner Meinung nach gibt es ganz hervorragende Deutsche KrimiautorenInnen, die aber in Deutschland viel weniger beachtet werden, als amerikanische, englische oder schwedische AutorInnen. Es macht mir Spaß, meine Beziehungen zu AutorInnen zu nutzen und Krimifans die Möglichkeit zu geben diese AutorInnen persönlich kennenzulernen.
antholog.de: Als Verlegerin bist du auch tätig. Wo liegt dort dein Schwerpunkt?
Ina Coelen: Hauptsächlich verlege ich Kurzkrimis, weil es eine Fülle an guten, unterhaltsamen Kurzkrimis gibt, die von großen Verlagen aber nicht oder selten herausgebracht werden. Es gibt so geniale Kurzkrimis, man hat einfach etwas verpasst, wenn man die nicht gelesen hat. Zum Beispiel von Gunter Gerlach, der schon zwei Mal den Kurzkrimi-Glauser bekommen hat oder von Niklaus Schmid, der gerade für seine Story ???Müntefering singt“ ausgezeichnet wurde. Ich könnte jetzt stundenlang weiter schwärmen ...
Durch meine Verlagsarbeit kann ich dazu beitragen, den Lesern dieses Lesevergnügen zu ermöglichen.
Ich habe den großen Vorteil durch das ???Syndikat“ und die ???Sisters in Crime“ viele AutorInnen persönlich zu kennen.
Voraussichtlich im Herbst werde ich den ersten Roman der Niederrhein Krimis von einer begabten Kollegin herausbringen.
antholog.de: Was ist das Internet für dich?
Ina Coelen: Das Internet ist für mich die wichtigste Kommunikationsmöglichkeit. Ich habe Kontakte zu sehr vielen Kolleginnen und Kollegen in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz, die ich ohne das Internet in der Art nicht haben könnte. Viele KollegInnen habe ich über das Internet kennengelernt, bevor man sich wegen der großen Entfernungen persönlich treffen konnte.
Meine Eltern leben in Spanien, meine Schwester in China und durch das Internet ist es möglich, meine Familie auf dem Laufenden zu halten oder nur mal ???Hallo“ zu sagen.
Außerdem bietet das Internet eine unglaubliche Fülle an Informationen. Wenn man es richtig zu nutzen weiß, hat man ständig alle aktuelle Informationen, die man braucht.
Ein Leben ohne Internet kann ich mir kaum noch vorstellen.
antholog.de: Was liegt dir besonders am Herzen außer deiner Arbeit?
Ina Coelen: Was mir besonders am Herzen liegt, sind Kinder. Kinder sind unsere Zukunft, aber in Deutschland wird viel zu wenig für Familien und besonders für Kinder getan. Die Politik interessiert sich nicht ernsthaft für Kinder, an Bildungssystemen wird wild drauflos experimentiert, Kinder wachsen ja immer wieder nach. In den meisten Europäischen Ländern ist die Kinderbetreuung wesentlich besser organisiert. In Deutschland sollen Frauen sich entscheiden zwischen Kindern und Karriere. Bekommen sie Kinder, werden sie als Hausmütterchen abgestempelt. Entscheiden sie sich für die Karriere, schreien Politik und Medien, dass junge Frauen sich um ihre Verantwortung drücken. Wollen Frauen Kinder und Beruf, bezeichnet man sie als "Rabenmütter", übrigens ein Ausdruck den es nur in Deutschland gibt.
In anderen Ländern ist es normal, dass gut ausgebildete Mütter weiter in ihren Berufen arbeiten können, und ihre Kinder in Krippen oder Kindergärten gut versorgt werden. In Frankreich werden Kindergartenplätze kostenfrei zur Verfügung gestellt. Da ich Kinder liebe, meine eigenen aber schon "schrecklich" alt sind (Tochter 16, Sohn 19, Stiefsohn 28), und ich dazu neige immer ein bisschen die Welt verbessern zu wollen, betreue ich vormittags Kleinkinder, die (noch) keinen Kindergartenplatz haben. So ist wenigstens einer Hand voll Mütter gedient und ich habe das großartige Gefühl, dass sich Kinder bei mir wohlfühlen und ich dazu beitrage, sie stark zu machen für ihr weiteres Leben.
antholog.de: Gibt es noch irgendetwas, was ich vergessen habe zu fragen?
Ina Coelen: Ich habe schon viel zu viel gesagt...
Das Interview führte Ulrike Renk
Erstveröffentlichung auf www.sagmal.de vom 22.5.2005
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